Nicht abgekupfert!

Heute war ich bei Aurubis, das ist eine Kupferhütte im Süden Hamburgs. Eigentlich gewinnt das Unternehmen mittels Elektrolyse (Was war das noch mal?) Edelmetalle aus Erzgesteinen, aber auch aus Elektroschrott und überhaupt Metallabfällen wie Kupferrohren, Tanks, Sägespänen usw. Ich wurde übers Betriebsgelände geführt und erhielt eine kleine Einführung in das Thema Metallrecycling und Goldbarrengewinnung. Übrigens Letzteres vor Ort allein aus der Extraktion von Gold aus Platinen, also Computern, Handys usw.

Danach gab es etwas, was ganz nach meinem Geschmack war. Ein Goldschmiedemeister, Kupferschmiede gibt es leider nicht mehr so viele, war anwesend und gab einen Crashkurs in Sachen Kupferschmuckherstellung. Ich durfte mir aussuchen, was ich machen möchte. Da ich kein Kettenträger bin, entschied ich mich für einen Ring.

Sägen

Ich bekam eine Metallsäge in die Hand gedrückt und sägte mir einen Ringrohling von einem ganz normalen Stück Kupferrohr, so wie es die auch im Handel gibt, ab. Etwas schief, aber man soll ja sehen, dass das Teil nicht aus China kommt. Dann habe ich die Ecken entgratet – mit einer ganz normalen Rundpfeile – und mich mit Schleifklotz, Sandpapier und Schleifwolle ans Werk gemacht, das Ding zu polieren. Viel zu früh, wie sich herausstellte, denn dann viel mir etwas ein …

Unter den aufgereihten Materialien lag etwas, was eigentlich gar nicht dahin gehörte … Kupfertropfen sozusagen. Sie entstehen, wenn man flüssiges Kupfer in Wasser leitet. Eine Sache, die man nicht unbedingt Zuhause nachmachen sollten bzw. kann, da Kupfer einen hohen Schmelzgrad hat. So sah die Kupferknospe aus:

Kupfertropfen1

Eigentlich perfekt, um meinen Ring zu krönen. Denn der war jetzt erst mal nur ein polierter, entgrateter Rohling. Schön schlicht, aber mehr auch nicht. Da ich in der Ausbildungswerkstatt von Aurubis war, schwirrte da auch irgendwo Herr Maar herum. Der die Schweißer ausbildet … der kennt sich bestimmt auch mit Löten aus. Und klar, kannte der sich aus, und wie! In Sekundenschnelle war mein Ring aufgebarrt und die Kuperknospe positioniert. Jetzt sollte es Lötzinn mit einem hohen Silberanteil schaffen, das eine auf das andere zu bringen:

Flamme

Es gelang! Aber: und das war mit nicht klar – der Glanz war futsch. Aber richtig! Stattdessen trug mein Ring nun eine matt-graue Legierung. Herr Maar wusste, dass das passiert, ich nicht. Und wurde ähnlich grau im Gesicht wie mein neuer Ring. Nein, nicht wirklich. Kurz eingetaucht (Wo hinein noch mal, Herr Maar?) sah er wenigstens wieder kupferfarben aus, wenn auch ohne Glanz, aber immerhin. Das bekomme ich vielleicht poliert.

Ich machte mich also noch mal mit der Schleifwolle ans Werk, um dann – ein Tipp vom Goldschmiedemeister – dem Ganzen mit einem ganz normalen glatten Schaft eines Werzeuges (das kann eine Ahle, ein Nagel o. ä. sein), das finale Finish zu geben. Und tatsächlich: der Glanz kehrte zurück. Nicht so wie vorher … aber ich vermute, wenn man das lange genug macht, vielleicht auch das …

Ihr wollt wissen, was dabei herausgekommen ist? Voila! Darf ich vorstellen: Ring Ring.
Ring

Damit Ring Ring nicht anläuft und auf der Haut gelb grüne Spuren hinterlässt, wird der Schmuck zum Schluss lackiert. Ja, ihr habt richtig gehört. Mit einer Art Sprühlack, und zwar dem hier:

Sprühlack

Nichts für Flaschen!

 Garderobe

Eine Garderobe mit Haken aus Glas.

Nussbaum Vollholz (geölt), Glasflaschen
Maße: B. 100 cm, H. ca. 40 cm

Das dunkle Nussbaumholz beruhigt die Sinne und schmeichelt unseren Händen, wenn wir drüberfahren. Die Fläschchen beinhalteten ehemals Walnussöl und dienen jetzt ihre Dienste als Haken an. Die Garderobe kann quer oder hochkant gehängt werden und ist nicht nur im Flur ein echter Star.

Foto: Indra Ohlemutz